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Das Zeitalter der Vernetzung im Gesundheitswesen hat begonnen – Was steht für Praxisinhaber jetzt an?

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens rückt näher. Der Gesetzgeber hat mit dem E-Health-Gesetz dafür den Fahrplan festgelegt. Das Herzstück ist die Einführung der Telematik-Infrastruktur (TI), die künftig die Stammdaten der Patienten vernetzen soll, mit dem Ziel, einen besseren Zugang zu Diagnosen und Medikation sowohl für die Ärzte als auch für die Patienten zu gewährleisten. Im ersten Schritt geht es um die grundsätzliche Vernetzung bis Ende 2018. Damit sollen alle Praxen die Versichertenstammdaten schnell und sicher zentral abgleichen können. Die für den TI-Aufbau von der Politik bestellte gematik hat dafür 2017 den Startschuss gegeben: Geräte sind beauftragt worden (zum Teil auch schon lieferbar), die Abläufe und Finanzierungsfragen sind geklärt worden. Jetzt geht es an die Umsetzung des Vorhabens. Davon betroffen sind auch über 42.000 Zahnarztpraxen. Für Praxen, die bereits mit einer Praxisverwaltungssoftware (PVS) arbeiten, werden die Änderungen überschaubar bleiben. Aus der Pilotphase wissen wir, dass die Installation und der Betrieb des so genannten „TI-Pakets“ problemlos liefen. Die ersten Erfahrungen waren positiv und zeigten, dass der Stammdatenabgleich insgesamt wesentlich effizienter zu handhaben sei. Den Anschluss nicht verpassen Die Bedenken, die derzeit am lautesten geäußert werden, betreffen die praktische Umsetzung: Durch Verzögerung bei Produktion und Genehmigung sind die notwendigen Geräte für die TI nicht in der Vielfalt vorhanden, wie es marktwirtschaftlich angemessen wäre. Mögliche Strafzahlungen, die bei einer verspäteten Implementierung drohen, werden kritisiert. Aus unserer Sicht werden sich beide Probleme ab 2018 relativieren, dann nämlich, wenn die TI-Pakete weiterer Anbieter zertifiziert wurden und wirklich mit dem Betrieb begonnen wird. Die Strafzahlungen, die eine ausreichende Installationsfrist berücksichtigen, müssten dann nochmal auf den Prüfstand. Die Informationen, die zur TI vorliegen, sind teilweise widersprüchlich oder verwirrend. Doch die Inbetriebnahme einer vernetzten Praxis ist kein Hexenwerk. Es gibt zwar eine Reihe von Geräten, die erworben und Software, die installiert werden muss. Die Instandsetzung kann mit fachmännischer Hilfe aber in etwa vier bis fünf Stunden erledigt werden. Der PVS-Anbieter ist der erste Ansprechpartner, der auch Beschaffung und Installation organisiert. Unverzichtbare Bestandteile sind: • eine sichere Datenleitung, einen sog. VPN-Tunnel, der höchste Sicherheit bei der Datenübertragung gewährleistet • der „Konnektor“, der die Verbindung zur TI herstellt, eine Art DSL-Router, der die Verbindung zwischen Praxiscomputer und VPN-Verbindung herstellt • ein neues Kartenlesegerät, das das herkömmliche ersetzt • einen Praxisausweis, eine Art SIM-Karte, mit der die Praxis sich in das System einwählt und eindeutig ausweist • Optional ein mobiles Kartenlesegerät All diese Komponenten werden bei der Anschaffung zum großen Teil von den Krankenkassen finanziert. Wichtig für die Erstattung ist der Zeitpunkt, zu dem die TI zum ersten Mal eingesetzt worden ist. Wer also die Komponenten jetzt schon erwirbt, aber erst im Februar 2018 nutzt, das heißt, den ersten Stammdatenabgleich vornimmt, bekommt weniger rückerstattet. Prinzipiell sinken die Erstattungsbeiträge um 10 Prozent je Quartal. Die Kassenzahnärztlichen Vereinigungen empfehlen in der Regel, mit dem Erwerb des TI-Pakets zu warten, bis mehrere Anbieter auf dem Markt sind. Derzeit existieren schon Komponenten der CompuGroup, weitere, u.a. von DGN und medisign, stehen kurz vor der Zulassung. In der Regel kalkulieren die Anbieter die Geräte so, dass sie Eins zu Eins von den Krankenkassen erstattet werden. Und zwar mit der ersten Abrechnung im neuen System. Dazu kommt eine Pauschale für den laufenden Betrieb. In wenigen Schritten zu TI Ein zentrales Element der TI-Implementierung ist das Update der Praxissoftware. Das TI-Paket, also Konnektor, Kartenlesegerät und der VPN-Zugang, kann erst dann installiert werden, wenn das Update vorhanden ist – hierzu halten die PVS-Anbieter entsprechende Informationen bereit. Ein speziell dafür geschulter Dienstleister vor Ort (DVO) kümmert sich um die Installation und die Einweisung des Praxispersonals. Wer noch mit dem Kauf des TI-Pakets warten möchte, kann trotzdem schon Vorbereitungen treffen: Für die wenigen Praxen ohne Internetanschluss ist es natürlich vordringlich, sich einen solchen anzuschaffen. Außerdem ist auf ein aktuelles Betriebssystem auf den Praxisrechnern zu achten – im Zweifelsfall hilft der PVS-Anbieter hier weiter. Dazu kommt: Der Praxisausweis, der Praxen in der TI eindeutig identifiziert, muss gesondert bei der zuständigen KZV beantragt werden. Die Erstellung dauert ca. vier Wochen. Prinzipiell bleibt festzuhalten, dass der Weg hin zu einer digitalen Infrastruktur im Gesundheitswesen zwar langsam und zäh verläuft, doch das Ziel ist in Sicht. Die unmittelbaren Vorteile, die sich dadurch ergeben, erleichtern die sektorübergreifende Kommunikation und vereinfachen die administrativen Prozesse. Gerade zahnmedizinische Befunde können in naher Zukunft bessere Berücksichtigung bei ärztlichen Diagnosen finden. Die Implementierung der datensicheren TI ist allerdings nur das Tor zu einer echten digitalen Zukunft im Gesundheitsmarkt. Viele Anwendungen kennen wir heute noch gar nicht. Bildlich gesprochen haben wir sozusagen das Smartphone, und die Apps müssen noch entwickelt werden / auf weitere Apps sind wir noch gespannt. Von Petra Knödler, Leiterin Marktgebiet Mitte bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank 3 Fragen, 3 Antworten: Sicher ans elektronische Gesundheitsnetz Interview mit Irmgard Düster, Leiterin der Abteilung Telematik der Kassenzahnärztlichen Bundes-vereinigung (KZBV) ① Mit der eCard und der Telematikinfrastruktur (TI) im Gesundheitswesen sollen bis Ende 2018 alle Praxen an Deutschlands größtes elektronisches Gesundheitsnetz angeschlossen werden. Was sind nach Erfahrung der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung die häufigsten Fragen, die Zahnärztinnen und Zahnärzte diesbezüglich beschäftigen? Düster: Die meisten Fragen betreffen die technische Ausstattung für die Praxen und wie diese beschafft werden kann. Auch die damit verbundenen Abläufe sowie die Refinanzierung der Komponenten sind immer wieder Thema. Einige Praxen wollten von der der KZBV wissen, ob sie bestimmte Angebote wahrnehmen und wann genau sie Produkte bestellen sollen. Diese Entscheidung liegt bei der Praxis. Wir sprechen aus Wettbewerbsgründen keine Empfehlungen aus. Unser Eindruck ist, dass die Praxen mittlerweile gut informiert sind. Die KZBV und auch die Kassenzahnärztlichen Vereinigungen haben in der Vergangenheit viele Informationsmaterialien veröffentlicht. Die Angebote der KZBV reichen von Broschüren über FAQ-Listen bis hin zu einem allgemeinverständlichen Erklär-Video, das die KZV Sachsen in Zusammenarbeit mit uns erstellt hat und das – wenn man die Klickzahlen betrachtet – offenbar sehr gut ankommt. Nähere Infos dazu gibt es unter www.kzbv.de ② Wie sieht die Umstellung konkret aus und wo finden Zahnarztpraxen bei Bedarf Unterstützung? Irmgard Düster: Im Wesentlichen benötigen die Zahnarztpraxen einen so genannten Konnektor – eine Art sicherheitszertifizierter Router, der in Verbindung mit einem sicheren Zugangsdienst ("VPN-Zugangsdienst") die Verbindung der Praxis zur Telematikinfrastruktur herstellt. Darüber hinaus muss das Kartenterminal durch ein neues online-fähiges Gerät ersetzt werden. Für die Authentisierung der Praxis gegenüber der Telematikinfrastruktur ist zudem ein elektronischer Praxisausweis ("SMC-B") erforderlich. Die Beschaffung und Installation der Geräte erfolgt durch IT-Dienstleister vor Ort, so dass diese auch Ansprechpartner der Praxen zu diesem Thema sind. Es ist gesetzlich geregelt, dass die Kosten, die den Praxen in Verbindung mit der Telematikinfrastruktur und den neuen Anwendungen entstehen, von den Krankenkassen erstattet werden müssen. Die KZBV hat hierzu mit dem GKV-Spitzenverband eine Vereinbarung geschlossen, in der für die Praxen die Höhe der Aufwandserstattungen und der Ablauf der Refinanzierung geregelt sind. ③ Wie bereite ich mich, mein Team und meine Patient(inn)en optimal auf die Umstellung vor? Irmgard Düster: Zu konkreten Fragen rund um die Umstellung geben die KZVen vor Ort Auskunft und informieren regelmäßig in ihren Rundschreiben oder auf ihren Websites. Über sie wird auch der elektronische Praxisausweis bestellt. Eine Liste der KZV-Ansprechpartner ist auf der Website der KZBV veröffentlicht. Zahlreiche, leicht verständliche Informationsmaterialien hat auch „gematik“ veröffentlicht, die Firma, die von den Organisationen der Selbstverwaltung mit der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte, dem Aufbau der Telematikinfrastruktur und der Konzeption der weiteren Anwendungen beauftragt worden ist. Auf der Website finden sich etwa konkrete Checklisten für die Praxen, die Aufschluss darüber geben, was genau im Vorfeld der Umstellung zu tun ist und wann die einzelnen Schritte anstehen (www.gematik.de). Kontakt: Irmgard Düster, Leiterin der Abteilung Telematik, Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung Körperschaft des öffentlichen Rechts, Berliner Vertretung, Behrenstr. 42, 10117 Berlin
Links
www.aktion-deutschland-hilft.de
Aktion Deutschland Hilft ist das Bündnis renommierter deutscher Hilfsorganisationen. Wenn schwere Katastrophen die Menschheit erschüttern, leisten wir Nothilfe. Gemeinsam, schnell und koordiniert. Jetzt einmalig spenden oder als Förderer regelmäßig helfen!
www.stiftung-hdz.de
Die Bundeszahnärztekammer ist Schirmherrin der Stiftung Hilfswerk Deutscher Zahnärzte, der größten zahnärztlichen Hilfsorganisation: Hilfswerk Deutscher Zahnärzte
www.dentalmuseum.eu
Hier wird das Gedächtnis der internationalen Zahnheilkunde bewahrt und wissenschaftlich seit der Gründung vor 15 Jahren aufgearbeitet. Heute befinden sich hier mehr als 680 private Sammlungen und Bewahrtes bis sieben Generationen zurückreichend. Werden Sie Fördermitglied.
www.apobank.de
die Bank für Heilberufe
www.fvdz.de
Die größte freie zahnärztliche Interessenvertretung
www.bzaek.de
Die zahnärztliche Organisation aller Zahnmediziner
www.kzbv.de
Die Vertetung aller Kassenzahnäzte
www.lennmed.de
lennmed.de Rechtsanwälte ist eine im Bereich der Heilberufe tätige Kanzlei
www.waizmanntabelle.de
Großer Vergleich von Zahnzusatzversicherungen