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Prof. Dr. Ewer: "Wirtschaftliche Lage bei den Freien Berufen stabil"

Das Institut für Freie Berufe (IFB) hat für den Bundesverband der Freien Berufe e. V. (BFB) im Zeitraum September/Oktober/November 2017 eine Umfrage unter 713 Freiberuflern zur Einschätzung ihrer aktuellen wirtschaftlichen Lage, der voraussichtlichen Geschäftsentwicklung in einer Sechs-Monats-Perspektive, ihrer Personalplanung und erstmals auch zur Kapazitätsauslastung durchgeführt sowie ausgewertet. Hierzu erklärt BFB-Präsident Prof. Dr. Wolfgang Ewer: „Mit ihrer wirtschaftlichen Situation sind die Freien Berufe auch weiterhin zufrieden. Rund acht von zehn Befragten (83,4 Prozent) bewerten ihre Lage als mindestens befriedigend, jeder Zweite von ihnen sogar als gut. Daran wird sich in naher Zukunft nichts ändern, denn über 85 Prozent der Befragten blicken zuversichtlich nach vorne. Die stabile und tendenziell positive wirtschaftliche Lage zeigt sich auch bei der Einstellungspraxis: Fast 15 Prozent der Freiberufler wollen gerne binnen der kommenden beiden Jahre Personal aufstocken. Gleichzeitig fürchten allerdings 16,7 Prozent der Freiberufler, künftig mit weniger Mitarbeitern auskommen zu müssen. Möglicherweise sind dies erste Hinweise darauf, dass der Fachkräftemangel allmählich in den Freien Berufen ankommt. Auch die erstmals erhobenen Befunde zur Kapazitätsauslastung zeigen in diese Richtung: Jeder dritte Freiberufler arbeitet schon über dem Anschlag. Die leichte Eintrübung gegenüber dem Vorjahr bleibt im Rahmen üblicher Schwankungen. Gleichwohl dürfte auch die offene politische Situation nach der Bundestagswahl den leicht gedämpften Ton teilweise erklären. Auf die politische Agenda einer nächsten Bundesregierung gehört auch die Sicherung des Fachkräftebedarfs. Wichtig ist ein aussagekräftiges Fachkräftemonitoring, mit dem regionale und fachliche Engpässe identifiziert werden können. Selbst in Zeiten zunehmenden Fachkräftemangels müssen die politischen Entscheider alle Weichen dafür stellen, dass die hohe Qualität der Ausbildung erhalten bleibt, denn schließlich sind gut qualifizierte Arbeitnehmer Teil der Erfolgsgeschichte unserer Volkswirtschaft. Dabei gilt es, als wertvolle Zukunftsinvestition eben diese Qualität um den Baustein Digitalkompetenz weiter auszubauen. Im Zuge der digitalen Transformation muss das Spannungsfeld zwischen Digitalisierung und dem Schutz des einzelnen Bürgers und seiner personenbezogenen Daten entladen werden. Für die Freien Berufe mit ihren sensiblen Dienstleistungen gilt dabei auch, dass der Schutz des Berufsgeheimnisses unbedingten Vorrang vor der Erfüllung etwaiger Informationspflichten hat.“ Ergebnisse der BFB-Konjunkturumfrage im Einzelnen: Aktuelle Geschäftslage Ihre aktuelle Geschäftslage beurteilen 48,6 Prozent der befragten Freiberufler als gut, 34,8 Prozent als befriedigend und 16,6 Prozent als schlecht. Im Vergleich zu den Werten aus der Winterumfrage 2016 verschieben sich die Werte leicht nach unten: Damals lagen die Werte bei 50,8 Prozent (gut), 35,9 Prozent (befriedigend) und 13,3 Prozent (schlecht). Bei allen vier Freiberufler-Gruppen ist die Lageanalyse positiv: Besonders zufrieden zeigen sich die Befragten aus dem technisch-naturwissenschaftlichen Bereich, gefolgt von den rechts-, steuer- und wirtschaftsberatenden Berufen und den Heilberufen. Skeptischer sind die freien Kulturberufe. Sechs-Monats-Prognose Im nächsten Halbjahr erwarten 13,2 Prozent der befragten Freiberufler eine günstigere, 72 Prozent eine gleich bleibende und 14,8 Prozent eine ungünstigere Entwicklung. Auch hier weichen die Werte leicht von denen aus der Winterumfrage 2016 ab: Sie lagen bei 14,9 Prozent (günstiger), 72,5 Prozent (gleich bleibend) und 12,6 Prozent (schlechter). Nuancen ergeben sich bei den einzelnen Freiberufler-Gruppen: Die befragten technisch- naturwissenschaftlichen Freiberufler sind am optimistischsten, gefolgt von jenen aus dem Bereich Rechts-, Steuer- und Wirtschaftsberatung, den freien Heilberufen und den freien Kulturberufen. Personalplanung 14,8 Prozent der Befragten wollen binnen der kommenden beiden Jahre neue Mitarbeiter einstellen, 68,5 Prozent erwarten eine gleichbleibende Mitarbeiterzahl und 16,7 Prozent einen Rückgang. Auch hier unterscheiden sich die Angaben von jenen aus der Winterumfrage 2016: Seinerzeit schätzten 19,5 Prozent mehr, 69,5 Prozent gleich viele und elf Prozent weniger Mitarbeiter zu beschäftigen. Konjunkturbarometer Während die Freien Berufe ihre aktuelle Geschäftslage generell als gut einschätzen, beurteilt die gewerbliche Wirtschaft diese nur in geringem Maße besser. Bei den konjunkturellen Erwartungen zeichnet sich im Vergleich eine leicht pessimistischere Stimmung ab. Werden Geschäftsbeurteilung und Geschäftserwartungen aggregiert, kann das Geschäftsklima beschrieben werden: Der solide positive Wert fällt allerdings niedriger aus als bei vergleichbaren Indizes der gewerblichen Wirtschaft. Aktuelle Auslastung der Kapazitäten Zum ersten Mal sind die Freien Berufe auch zur Auslastung ihrer Kapazitäten befragt worden. Für 32,7 Prozent der Befragten sind diese bereits überschritten, 44,4 Prozent sind zu mehr als 75 Prozent bis zu 100 Prozent ausgelastet, 12,4 Prozent zu mehr als 50 Prozent bis zu 75 Prozent, 5,4 Prozent zu mehr als einem Viertel bis zur Hälfte und 5,1 Prozent bis zu einem Viertel. Von denjenigen, die bereits überausgelastet sind, sind bei knapp zwei Dritteln die Kapazitäten bis zu einem Viertel überschritten. Perspektivische Auslastung Von denjenigen, die bis dato noch nicht überausgelastet sind, erwarten 2,8 Prozent der Befragten binnen des nächsten halben Jahres und 5,2 Prozent innerhalb der nächsten zwei Jahr über 100 Prozent ausgelastet zu sein. Der Bundesverband der Freien Berufe e. V. (BFB) vertritt als einziger Spitzenverband der freiberuflichen Kammern und Verbände die Interessen der Freien Berufe in Deutschland. Sie sind Wachstums- und Beschäftigungsmotor: Als Arbeitgeber beschäftigen die rund 1,38 Millionen selbstständigen Freiberufler in Deutschland rund 3,7 Millionen Mitarbeiter – darunter ca. 123.100 Auszubildende. Gemeinsam steuern sie rund 327 Milliarden Euro und damit 10,8 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Die Bedeutung der Freien Berufe für Wirtschaft und Gesellschaft geht jedoch weit über ökonomische Aspekte hinaus: Die Gemeinwohlorientierung ist ein Alleinstellungsmerkmal der Freien Berufe. www.freie-berufe.de
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